Willow Creek Leitungskongress 2020: Ein neues Bild von besserer Führung

Willow Creek Leitungskongress 2020: Ein Neues Bild Von Besserer Führung

„Wie wird wohl der erste Leitungskongress in Deutschland nach dem wenig rühmlichen Abschied von Bill Hybels werden?“ fragten sich viele von uns im Vorfeld.

Mein Resümee: Eine überwältigend positive Überraschung!

Dieser Grundgedanke, mit dem Craig Groeschel den Kongress eröffnete, signalisierte erst einmal Kontinuität. Die Kernbotschaft der Willow Creek Kongresse ist also geblieben.

Was heißt jetzt aber „besser“ — nach den Erfahrungen der letzten Jahre?

 

1. Besser heißt immer noch: kompetent und strategisch

Es ging erst mal mit dem 1×1 strategischer Führung weiter.

  • Leiter sind herausgefordert, mit ihren Ressourcen eine größtmögliche Wirkung zu erzielen.
  • Leiter sollten sich fragen, wann etwas >gut genug< ist, um weiterzuziehen.
  • Leiter machen keine „einigermaßen guten Deals,“ sondern „sie sorgen für eine Umkehr der Kurve.“ Das heißt, sie sollten sich fragen, wie sie mit weniger Zeit, Geld und Energie mehr erreichen können.

Wer dazu mehr wissen möchte, kann sich für meinen Newsletter anmelden und bekommt am Montagmorgen eine informierende und motivierende E-Mail in seinen Posteingang. ⬇ Einfach auf dieser Seite ganz nach unten scrollen!⬇

 

2. Besser heißt: Wirklich mit Männern und Frauen auf Augenhöhe

Nachdem tausende Frauen im #metoo Movement den Mut hatten, ihre Geschichte von Entwürdigung und Missbrauch öffentlich zu machen, ist eine tiefe Wunde der Menschheit erstmals wirklich am Licht. Das ist erst einmal schockierend — darin steckt aber auch eine Chance. Danielle Strickland gab eindringliche Impulse dazu, wie wir diese Chance einer wirklichen Kulturveränderung nutzen können.

 

Für eine Kulturveränderung braucht es zwei Dinge:

  1. Die Fähigkeit, sich eine bessere Zukunft vorstellen zu können.
  2. Die Fähigkeit, Unterdrückung zu verstehen.

 

Christen haben — so die Rednerin — alles, was es dafür braucht.

Wir Christen bleiben oftmals bei der Frage stehen: „Wer ist Schuld?“ (Johannes 9,2)

Jesus machte jedoch deutlich, dass es darum geht, dass Gottes Macht und Herrlichkeit sichtbar wird. (Johannes 9,3).

Diese Herrlichkeit Gottes wird dann sichtbar, wenn wir ihn einladen, in unsere Ängste hineinzukommen, und wenn wir anfangen, unsere Unterschiede zu feiern.

Zum Schluss hatte sie dann noch eine Liste, von konkreten ToDo’s für uns Männer:

  1. Sprich die Wahrheit aus und lerne, dich zu entschuldigen.
  2. Feiere dich.
  3. Sei ein Förderer und Anwalt der Frauen.
  4. Weigere dich, Frauen als Bedrohung oder Versuchung zu sehen.
  5. Nutze deine Macht, um andere zu bevollmächtigen.

Macht ist dafür da, andere zu bevollmächtigen.

… ein Gedanke, der auch nicht neu ist, aber den wir endlich mal wirklich beherzigen müssen!

 

3. Besser heißt: Nicht mitmachen — bei Lieblosigkeit und Streit

Die Fragestellung an den nächsten Redner war: „Wie sollte eine Kirche aussehen, in die meine Kinder gerne gehen?“ Und die Antwort kam ohne lange Umschweife: „Meine Kinder wollen nicht in eine Gemeinde gehen, in der wir liebesunfähig sind!“

In gut schweizerischer Manier forderte Andreas Boppart seine Zuhörer dazu auf, in Streitsituationen zu rufen: „Da machen wir nicht mit!“

Wenn wir uns mal selbst hinterfragen, dann sehen wir, dass es immer dann zu Streitigkeiten kommt, wenn wir denken, besser zu verstehen als der andere, was gerade richtig und wichtig sei.

Wir brauchen Herzen, die nicht-wisserisch statt besser-wisserisch unterwegs sind.

Dabei könnte ein weiteres Verständnis des Evangeliums hilfreich sein, das der Redner an der biblischen Geschichte von Adam und Eva deutlich machte.

Die klassisch christliche Interpretation beschränkt sich dabei auf den Teil, den wir alle als Sündenfall kennen.


Neben dem Sündenfall haben wir es jedoch auch

mit einem Schamfall und

einem Angstfall zu tun.

Auf alle diese Fälle ist die in Jesus verkörperte Wahrheit eine kraftvolle Antwort:

Christus ist der Sündenvergeber, der Entschämer und der Angst-Befreier.

Boppart stellte sich zwei verbreiteten Irrtümern entgegen:

  1. Um einander zu lieben, müssen wir gleich glauben.
  2. Wenn wir nicht gleich glauben, müssen wir einander bekämpfen.

Das destruktivste Ausmaß dieses gegeneinander Kämpfens von unterschiedlich glaubenden Menschen (meist Männern) beobachtet Boppart in den Social Media. Als Gegenmaßnahme empfiehlt er den Rat eines Freundes, der ihm selbst eine Hilfe sei:

„Ich diskutiere mit dir bei Bier und Wein, aber auf Facebook lass ich’s sein!“

Besonders überzeugend wurden diese Worte, weil der Redner mit seinen Beispielen selbst sein eigenes „stolzes“ Herz zeigte, das die leise Stimme — die er als Stimme Gottes identifizierte — mit folgender Frage überführte:

„Meinst du, ich habe jetzt mehr Freude an deinem überheblichen Herzen, als an den sehnsüchtigen Herzen, die an der falschen Stelle nach dem richtigen suchen?“.

 

4. Besser heißt: Schöner

Der erste Konferenztag wurde von Johannes Hartl abgeschlossen, der einmal mehr eine Lanze für Schönheit brach.

 

Der katholische Theologe forderte dazu heraus, Schönheit von Gott her zu definieren. Weil Gott vor allem durch Liebe gekennzeichnet ist, hat Hässliches (von Hass) keinen Platz bei Ihm. Hier stellte er der modernen Christenheit kein besonders gutes Zeugnis aus.

Letztlich landete er dann jedoch wieder bei der positiven Vision:
Schönheit erzählt von einer Heimat, die jeder Mensch insgeheim kennt und nach der er sich sehnt.

 

5. Besser heißt: Versöhnt

In leuchtendem Orange gekleidet stand eine wunderschöne, etwas schüchtern wirkende Frau auf der Bühne. Schon in wenigen Momenten fesselte sie das Auditorium mit ihrer Geschichte.

Ich war berührt und bewegt — gleichzeitig erschien es mir unangemessen, bei diesem Vortrag mitzuschreiben. (Das macht es jetzt natürlich etwas schwierig, darüber zu bloggen. Mhhm…)

Immaculée Ilibagizia ist die einzige Überlebende ihrer Familie nach dem Völkermord in Ruanda. Sie erzählte von ihren Eltern, von den Hassbotschaften gegen Mitglieder ihres Stammes (der Tutsi) über Radio und davon, wie der Nachbar ihrer Eltern (ein protestantischer Pastor mit anderer Stammeszugehörigkeit) sie zusammen mit einer Gruppe anderer Frauen in seiner Toilette versteckte.

Sie erzählte von ihrem Leid und ihren Hass-Gedanken gegen ihre Verfolger.

Und sie erzählte von ihren Gebeten und davon, wie schwer ihr die Passage „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ im Vaterunser fiel.

Sie erzählte aber auch davon, wie befreiend es war, als sie irgendwann tatsächlich ihren Hass loslassen konnte, und wie sie dann auch diesen Teil des Gebets von Herzen sprechen konnte.

Als wir gemeinsam das Vaterunser beteten, konnte man spüren, dass auch im Raum in Karlsruhe durch diese Botschaft Lebensgeschichten verändert wurden.

 

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass dies der Abschluss-Vortrag der Konferenz sein sollte. Die Veranstalter gaben nach der darauffolgenden Mittagspause ihre Entscheidung bekannt, die Konferenz wegen einer Ausbreitung des Corona Virus zu beenden.

Vielleicht hatten wir alle auch bereits gehört, was wir an diesen Tagen hören mussten.

Ich bin sehr dankbar für die Impulse des Leitungskongresses 2020 und für ein klares Bild davon, was bessere Führung in unserer Zeit bedeutet.

Vielen Dank für’s Lesen des Blog-Artikels. Ich hoffe, dass diese Zeilen auch dir dabei helfen, ein besserer Leiter zu werden. Denn davon werden alle Menschen in deinem Einflussbereich profitieren.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

An den Anfang scrollen